Gedächtnistraining für Senioren muss weder kompliziert noch teuer sein. Die besten Übungen sind oft die, die sich ganz natürlich in den Alltag einfügen: beim Einkaufen, beim Kochen oder beim Abendspaziergang. In diesem Beitrag finden Sie einfache Gedächtnisübungen und Konzentrationsübungen, die Sie sofort ausprobieren können, allein oder gemeinsam mit anderen.
Was Gedächtnistraining leisten kann und was nicht
Zuerst ein ehrlicher Blick auf die Forschung. Wer regelmäßig bestimmte Aufgaben übt, wird darin meist besser. Ob sich dieser Fortschritt auf ganz andere Bereiche des Alltags überträgt, ist dagegen nicht eindeutig belegt. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt die Belege für kognitives Training in ihren Leitlinien zur Verringerung des Risikos für kognitiven Abbau als begrenzt.
Auch die Alzheimer Forschung Initiative betont, dass sich Demenzerkrankungen nicht sicher verhindern lassen. Sie nennt Bewegung, soziale Kontakte, Lernen und eine gute allgemeine Gesundheit als Dinge, die der Hirngesundheit guttun.
Das heißt: Gedächtnistraining ist keine Therapie und kein Schutzschild. Es ist aber eine angenehme, kostenlose Möglichkeit, den Kopf zu beschäftigen, Neues auszuprobieren und kleine Erfolge zu erleben. Genau in diesem Sinne sind die folgenden Ideen gemeint.
Gedächtnisübungen für Senioren im Alltag
Die folgenden Übungen brauchen kein Material, nur ein paar Minuten Aufmerksamkeit.
Die Einkaufsliste im Kopf
Schreiben Sie Ihre Einkaufsliste wie gewohnt auf, lassen Sie den Zettel aber in der Tasche. Versuchen Sie im Laden zuerst, alles aus dem Gedächtnis zu finden, und schauen Sie erst am Ende nach. Hilfreich ist es, die Dinge nach Abteilungen zu ordnen: Obst und Gemüse, Brot, Kühlregal.
Der Tag rückwärts
Erzählen Sie sich abends den Tag in umgekehrter Reihenfolge: Was gab es zum Abendbrot? Mit wem haben Sie am Nachmittag telefoniert? Was stand morgens in der Zeitung? Das klingt einfach, erfordert aber erstaunlich viel Konzentration.
Gedichte und Liedtexte
Viele haben in der Schule Gedichte gelernt, etwa „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ oder „Der Erlkönig“. Versuchen Sie, eine Strophe wieder aufzusagen, oder lernen Sie eine neue. Auch Volkslieder und Schlager eignen sich gut, weil Melodie und Rhythmus beim Erinnern helfen.
Namen und Gesichter
Wenn Sie jemanden kennenlernen, wiederholen Sie den Namen im Gespräch einmal laut und verbinden Sie ihn mit einem Bild: Frau Becker vielleicht mit einer Bäckerei. Solche Eselsbrücken sind eine bewährte Merktechnik.
Wege und Orte
Beschreiben Sie nach einem Spaziergang die Strecke: an welcher Ecke Sie abgebogen sind, welche Geschäfte Sie gesehen haben. Oder gehen Sie bewusst einmal einen neuen Weg zum Bäcker.
Konzentrationsübungen für Senioren
Gedächtnis und Konzentration hängen eng zusammen. Wer aufmerksam ist, kann sich Dinge leichter merken.
- Buchstaben zählen: Nehmen Sie einen Zeitungsartikel und zählen Sie, wie oft in einem Absatz der Buchstabe „e“ vorkommt.
- Fehlerbilder: Zwei fast gleiche Bilder vergleichen und die Unterschiede finden. Solche Rätsel gibt es in vielen Rätselheften und bei unseren Arbeitsblättern zum Ausdrucken.
- Rückwärts buchstabieren: Buchstabieren Sie Wörter wie „Garten“ oder „Kaffeekanne“ rückwärts.
- Rechnen beim Einkaufen: Rechnen Sie im Kopf mit, was der Einkauf ungefähr kosten wird, bevor die Kasse es anzeigt.
- Kategorien: Zählen Sie in einer Minute möglichst viele Tiere, Städte oder Blumen auf. Es geht nicht um die Zeit, sondern um den Spaß am Suchen.
Gedächtnistraining in der Gruppe
Manche Übungen machen gemeinsam einfach mehr Freude. Stadt-Land-Fluss am Küchentisch, eine Runde Rommé oder Skat, ein Ratespiel mit Sprichwörtern beim Kaffeetrinken: All das verbindet Denken mit Gespräch und Lachen.
Viele Volkshochschulen, Seniorentreffs und Kirchengemeinden bieten zudem Gedächtnistraining in der Gruppe an. Fragen Sie am besten direkt in Ihrer Gemeinde nach. Der Kontakt zu anderen ist dabei mindestens so wertvoll wie die Übungen selbst.
Gedächtnistraining für Senioren: eine kleine Routine
Regelmäßigkeit fällt leichter, wenn das Training an etwas Bestehendes gekoppelt ist. Eine mögliche Woche könnte so aussehen:
| Wann | Übung |
|---|---|
| Beim Frühstück | Ein Kreuzworträtsel oder Sudoku aus der Zeitung |
| Beim Einkaufen | Die Einkaufsliste im Kopf |
| Am Nachmittag | Ein Gedicht oder Lied auswendig lernen |
| Beim Spaziergang | Neue Wege gehen und sich den Weg merken |
| Am Abend | Den Tag rückwärts erzählen |
Wichtig ist, dass es locker bleibt. Ein ausgelassener Tag ist kein Problem. Wenn eine Übung keinen Spaß macht, nehmen Sie einfach eine andere. Weitere Ideen für Spiele und Rätsel finden Sie in unserem Beitrag über Gehirnjogging für Senioren.
Was das Gedächtnis sonst noch unterstützt
Gedächtnisübungen sind nur ein Baustein. Mindestens genauso wichtig sind:
- Bewegung, zum Beispiel tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Seniorengymnastik
- Ausreichend Schlaf und ein regelmäßiger Tagesrhythmus
- Kontakt zu anderen Menschen, ob in der Familie, im Verein oder in der Nachbarschaft
- Gutes Hören und Sehen: Lassen Sie Hörgerät und Brille regelmäßig prüfen. Wer schlecht hört, bekommt vieles gar nicht erst mit.
- Ein Arztbesuch, wenn Ihnen Veränderungen Sorgen machen
Auch Neues zu lernen hält den Kopf beschäftigt: eine Fremdsprache für die nächste Reise, ein Musikinstrument, ein Kurs an der Volkshochschule oder der Umgang mit dem Tablet. Gerade die Verbindung aus Neugier, Kontakt zu anderen und kleinen Erfolgen macht solche Aktivitäten für viele so wertvoll.
Ein gewisses Maß an Vergesslichkeit gehört zum Älterwerden dazu. Wo die Grenze zwischen normal und auffällig liegt, erklären wir im Beitrag Vergesslichkeit im Alter: Was ist normal?
Gedächtnistraining auf dem iPhone oder iPad
Wer gern zum Tablet greift, kann einen Teil der Übungen auch digital machen. SilverMind ist eine App für iPhone und iPad mit ruhigen Übungen für ältere Menschen: große Schrift, große Schaltflächen und kein Zeitdruck. Jeden Tag stellt die App ein kurzes Training aus drei Übungen zusammen, etwa sechs Minuten lang, mit Bereichen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wörter. Die Einkaufsliste gibt es dort zum Beispiel als Übung „Einkaufsliste“, und „Paare finden“ trainiert das Merken von Bildern. Eine Auswahl an Übungen ist dauerhaft kostenlos und ohne Werbung.
Ob auf Papier, im Gespräch oder auf dem Tablet: Das beste Gedächtnistraining ist das, auf das Sie sich jeden Tag ein bisschen freuen.



