Beschäftigung bei Demenz zu Hause gelingt am besten mit einem festen Tagesrhythmus, wenigen vertrauten Tätigkeiten und etwas Vorbereitung. Ein einfacher Wochenplan auf Papier, zwei oder drei kleine Aktivitäten am Tag und eine Beschäftigungskiste mit Lieblingsdingen geben Ihrem Angehörigen Halt und Ihnen selbst Entlastung, weil Sie nicht jeden Tag neu überlegen müssen.
Dieser Beitrag richtet sich an pflegende Angehörige, die zu Hause mit einem Menschen mit Demenz leben oder ihn regelmäßig betreuen. Es geht nicht um ein Programm, sondern um eine ruhige Ordnung für den Alltag. Allgemeine Ideen für ältere Menschen ohne Demenz finden Sie in unserem Beitrag Beschäftigung für Senioren zu Hause.
Was Beschäftigung bei Demenz leisten kann
Ehrlich vorweg: Es gibt keinen Nachweis, dass eine bestimmte Beschäftigung eine Demenz aufhält. Was gute Aktivitäten geben können, ist trotzdem viel: Freude, Ruhe, Nähe, das Gefühl, gebraucht zu werden, und einen Tag, der nicht nur aus Warten besteht. Für Sie als Angehörige sind solche Momente oft auch die schönsten.
Einige Grundsätze haben sich bewährt:
- An die Lebensgeschichte anknüpfen. Eine frühere Schneiderin sortiert gern Stoffe, ein früherer Handwerker Schrauben.
- Ergebnis vor Perfektion. Ob die Handtücher ordentlich gefaltet sind, ist egal.
- Eine Sache zur Zeit. Viele Reize auf einmal machen unruhig.
- Zeigen statt erklären. Machen Sie den ersten Handgriff vor, statt ihn zu beschreiben.
- Auf Stimmung achten. Ein Nein ist in Ordnung. Ein anderer Moment kann besser passen.
Ein ruhiger Tagesrhythmus
Wiederkehrende Abläufe geben Orientierung. Ein Mensch mit Demenz muss sich dann weniger erinnern und weniger entscheiden. Ein Beispiel, das Sie an Ihre Situation anpassen können:
| Uhrzeit | Was passiert |
|---|---|
| 8 bis 9 Uhr | Aufstehen, Waschen, Frühstück in Ruhe |
| 9:30 Uhr | Eine Aufgabe im Haushalt, etwa Tisch abräumen oder Wäsche falten |
| 10:30 Uhr | Kurzer Spaziergang oder Zeit auf dem Balkon |
| 12 Uhr | Mittagessen, gern mit Hilfe beim Gemüseputzen |
| 13 bis 14:30 Uhr | Mittagsruhe |
| 15 Uhr | Kaffee und eine ruhige Aktivität: Musik, Fotos, Kiste |
| 16:30 Uhr | Leichte Bewegung oder Gartenarbeit |
| 18 Uhr | Abendessen |
| Abends | Gedämpftes Licht, vertraute Musik, Fernsehen in Maßen |
Viele Menschen mit Demenz sind am Vormittag am wachsten. Planen Sie dort die Tätigkeiten, die etwas mehr Konzentration brauchen. Am späten Nachmittag werden manche unruhig. Dann helfen eher Bewegung, Musik und einfache Handgriffe als Rätsel oder Gespräche über Termine.
Ein einfacher Wochenplan zum Ausdrucken
Ein Wochenplan nimmt Ihnen die tägliche Frage ab, was heute dran ist. Er muss nicht voll sein. Eine feste Aktivität pro Tag reicht, der Rest ergibt sich aus dem Alltag.
| Tag | Vormittag | Nachmittag |
|---|---|---|
| Montag | Wäsche falten | Lieblingslieder hören und mitsingen |
| Dienstag | Spaziergang zum Bäcker | Fotos aus der Beschäftigungskiste anschauen |
| Mittwoch | Gemüse putzen fürs Mittagessen | Blumen gießen, welke Blätter abzupfen |
| Donnerstag | Besuch oder Tagespflege | Ruhige Zeit, Hörbuch oder Radio |
| Freitag | Kuchen backen | Kaffee mit Nachbarin oder Familie |
| Samstag | Einkaufen gemeinsam | Arbeitsblatt in großer Schrift |
| Sonntag | Gottesdienst oder Spaziergang | Videoanruf mit den Enkeln |
So erstellen Sie Ihr eigenes Blatt:
- Nehmen Sie ein DIN-A4-Blatt im Querformat und zeichnen Sie sieben große Felder.
- Schreiben Sie in jedes Feld nur ein oder zwei Dinge, in großer Schrift.
- Kleben Sie, wenn es hilft, ein kleines Bild dazu, etwa eine Tasse für den Kaffee.
- Hängen Sie den Plan dorthin, wo Sie beide oft vorbeikommen, zum Beispiel an den Kühlschrank.
Der Plan ist vor allem eine Hilfe für Sie. Wenn ein Tag anders läuft, ist das kein Problem.
Die Beschäftigungskiste
Eine Beschäftigungskiste ist eine Kiste oder ein Korb mit Dingen, die zur Lebensgeschichte passen und zum Anfassen, Sortieren und Erzählen einladen. Sie steht griffbereit, etwa neben dem Sessel, und ist in Momenten hilfreich, in denen Sie gerade keine Idee haben oder selbst etwas erledigen müssen.
Was hineinpasst
- Zum Sortieren: Knöpfe, Wäscheklammern, große Schrauben und Muttern, Spielkarten nach Farben
- Zum Fühlen: Stoffreste, Wollknäuel, ein weiches Tuch, ein glatter Stein
- Zum Erzählen: Fotos, Postkarten, eine alte Ansichtskarte vom Urlaubsort, ein Schulzeugnis
- Aus dem Beruf: ein Zollstock, ein Notizblock, Stoffmuster, ein Kochlöffel
- Zum Tun: Handtücher zum Falten, ein Paar Socken zum Zusammenlegen, ein Staubtuch
Worauf Sie achten sollten
- Keine kleinen Teile, die verschluckt werden können, wenn das ein Risiko ist.
- Lieber wenige Dinge als eine volle Kiste. Tauschen Sie den Inhalt alle paar Wochen aus.
- Legen Sie Dinge hinein, die Ihr Angehöriger mag, nicht solche, die Sie für sinnvoll halten.
- Holen Sie die Kiste gemeinsam hervor und nehmen Sie selbst etwas in die Hand. „Schau mal, was ich gefunden habe“ ist ein guter Anfang.
Weitere Ideen für den Alltag
- Musik: Schlager, Volkslieder oder Kirchenlieder von früher. Viele Menschen singen ganze Strophen mit.
- Sprichwörter: „Morgenstund hat …“ wird oft spontan ergänzt. Beispiele finden Sie im Beitrag Sprichwörter ergänzen für Senioren.
- Tiere und Natur: Vögel am Futterhaus beobachten, ein Besuch bei Nachbars Hund, Kastanien sammeln.
- Vorlesen: Kurze Geschichten, Gedichte oder die Lokalzeitung.
Ideen zum Ausdrucken
Für ruhige Stunden am Tisch finden Sie kostenlose Arbeitsblätter in großer Schrift. Bei Demenz eignen sich oft die leichteren Blätter, gern gemeinsam bearbeitet:
- „Buchstabensalat in großer Schrift: Im Garten / In der Küche / Im Wald“
- „Sprichwörter ergänzen“
- „Was passt nicht dazu?“
- „Zahlen verbinden von 1 bis 25“
- „Finden Sie die 5 Unterschiede“
Dazu Ideen zum Selbermachen:
- Fotokarte mit Erinnerungsfragen: ein Familienfoto groß ausdrucken, darunter eine offene Frage wie „Was war das für ein Tag?“.
- Wochenkalender-Blatt: der Plan von oben, jede Woche neu ausgefüllt.
- Rezeptkarte zum Ausfüllen: das alte Lieblingsrezept gemeinsam aufschreiben und danach nachkochen.
Unsere App SilverMind
Manche Menschen in einem frühen Stadium greifen noch gern zum Tablet, oft gemeinsam mit Angehörigen. Dafür entwickeln wir SilverMind, eine App für iPhone und iPad, die auch im Browser unter silvermind.app/play läuft. Sie hat 28 ruhige Übungen auf Deutsch, große Schrift (Atkinson Hyperlegible), große Tasten, keine Werbung, und viele Übungen haben kein Zeitlimit. Jeden Tag stehen drei kurze Übungen bereit, etwa sechs Minuten. Für gemeinsame Momente passen etwa Erinnerungsreise mit Fragen zu Liedern und Alltag der 1950er bis 1990er Jahre, Redensart ergänzen und Pfad verbinden. SilverMind Premium schaltet die Übungen frei und beginnt mit 7 Tagen kostenlos. Die App ist eine Beschäftigung, keine Therapie.
Und Sie selbst?
Die Betreuung zu Hause kostet Kraft. Planen Sie feste Pausen für sich ein, nehmen Sie Angebote wie Tagespflege oder Betreuungsgruppen in Anspruch und holen Sie sich Rat. Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berät Angehörige, und der Wegweiser Demenz nennt Angebote in Ihrer Region. Wenn sich Verhalten, Schlaf oder Stimmung deutlich verändern, sprechen Sie mit der Hausarztpraxis. Wie Sie Veränderungen früh einordnen, lesen Sie in Wenn Eltern vergesslich werden.
Fazit
Bei Demenz zu Hause hilft weniger Abwechslung als Verlässlichkeit: ein ähnlicher Ablauf jeden Tag, ein einfacher Wochenplan und eine Kiste mit vertrauten Dingen. So entstehen ruhige Momente mit Freude und Nähe, und Sie müssen nicht jeden Tag neu erfinden.
Quellen
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Beratung und Alzheimer-Telefon für Angehörige
- Wegweiser Demenz: Informationen und Angebote vor Ort
- gesund.bund.de: Alzheimer-Demenz, Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit


