Für Angehörige

Beschäftigung bei Demenz zu Hause: Wochenplan, Tagesrhythmus und Beschäftigungskiste

Beschäftigung bei Demenz zu Hause: ein einfacher Wochenplan zum Ausdrucken, ein ruhiger Tagesrhythmus und eine Beschäftigungskiste für Angehörige.

SilverMind-Team

Gesundheit & Wohlbefinden

7 Min. Lesezeit

Mit SilverMind Premium auf iPhone und iPad oder direkt im Browser: ruhige Denkspiele, große Schrift, keine Werbung.

Illustration: eine offene Holzkiste mit Wollknäuel, Fotos und Stoffresten neben einem Wochenplan

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenden Sie sich für Diagnose, Behandlung und medizinische Fragen immer an qualifizierte Fachleute. Wenn Sie sich wegen nachlassender geistiger Fähigkeiten oder Demenz sorgen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Beschäftigung bei Demenz zu Hause gelingt am besten mit einem festen Tagesrhythmus, wenigen vertrauten Tätigkeiten und etwas Vorbereitung. Ein einfacher Wochenplan auf Papier, zwei oder drei kleine Aktivitäten am Tag und eine Beschäftigungskiste mit Lieblingsdingen geben Ihrem Angehörigen Halt und Ihnen selbst Entlastung, weil Sie nicht jeden Tag neu überlegen müssen.

Dieser Beitrag richtet sich an pflegende Angehörige, die zu Hause mit einem Menschen mit Demenz leben oder ihn regelmäßig betreuen. Es geht nicht um ein Programm, sondern um eine ruhige Ordnung für den Alltag. Allgemeine Ideen für ältere Menschen ohne Demenz finden Sie in unserem Beitrag Beschäftigung für Senioren zu Hause.

Was Beschäftigung bei Demenz leisten kann

Ehrlich vorweg: Es gibt keinen Nachweis, dass eine bestimmte Beschäftigung eine Demenz aufhält. Was gute Aktivitäten geben können, ist trotzdem viel: Freude, Ruhe, Nähe, das Gefühl, gebraucht zu werden, und einen Tag, der nicht nur aus Warten besteht. Für Sie als Angehörige sind solche Momente oft auch die schönsten.

Einige Grundsätze haben sich bewährt:

  • An die Lebensgeschichte anknüpfen. Eine frühere Schneiderin sortiert gern Stoffe, ein früherer Handwerker Schrauben.
  • Ergebnis vor Perfektion. Ob die Handtücher ordentlich gefaltet sind, ist egal.
  • Eine Sache zur Zeit. Viele Reize auf einmal machen unruhig.
  • Zeigen statt erklären. Machen Sie den ersten Handgriff vor, statt ihn zu beschreiben.
  • Auf Stimmung achten. Ein Nein ist in Ordnung. Ein anderer Moment kann besser passen.

Ein ruhiger Tagesrhythmus

Wiederkehrende Abläufe geben Orientierung. Ein Mensch mit Demenz muss sich dann weniger erinnern und weniger entscheiden. Ein Beispiel, das Sie an Ihre Situation anpassen können:

UhrzeitWas passiert
8 bis 9 UhrAufstehen, Waschen, Frühstück in Ruhe
9:30 UhrEine Aufgabe im Haushalt, etwa Tisch abräumen oder Wäsche falten
10:30 UhrKurzer Spaziergang oder Zeit auf dem Balkon
12 UhrMittagessen, gern mit Hilfe beim Gemüseputzen
13 bis 14:30 UhrMittagsruhe
15 UhrKaffee und eine ruhige Aktivität: Musik, Fotos, Kiste
16:30 UhrLeichte Bewegung oder Gartenarbeit
18 UhrAbendessen
AbendsGedämpftes Licht, vertraute Musik, Fernsehen in Maßen

Viele Menschen mit Demenz sind am Vormittag am wachsten. Planen Sie dort die Tätigkeiten, die etwas mehr Konzentration brauchen. Am späten Nachmittag werden manche unruhig. Dann helfen eher Bewegung, Musik und einfache Handgriffe als Rätsel oder Gespräche über Termine.

Ein einfacher Wochenplan zum Ausdrucken

Ein Wochenplan nimmt Ihnen die tägliche Frage ab, was heute dran ist. Er muss nicht voll sein. Eine feste Aktivität pro Tag reicht, der Rest ergibt sich aus dem Alltag.

TagVormittagNachmittag
MontagWäsche faltenLieblingslieder hören und mitsingen
DienstagSpaziergang zum BäckerFotos aus der Beschäftigungskiste anschauen
MittwochGemüse putzen fürs MittagessenBlumen gießen, welke Blätter abzupfen
DonnerstagBesuch oder TagespflegeRuhige Zeit, Hörbuch oder Radio
FreitagKuchen backenKaffee mit Nachbarin oder Familie
SamstagEinkaufen gemeinsamArbeitsblatt in großer Schrift
SonntagGottesdienst oder SpaziergangVideoanruf mit den Enkeln

So erstellen Sie Ihr eigenes Blatt:

  1. Nehmen Sie ein DIN-A4-Blatt im Querformat und zeichnen Sie sieben große Felder.
  2. Schreiben Sie in jedes Feld nur ein oder zwei Dinge, in großer Schrift.
  3. Kleben Sie, wenn es hilft, ein kleines Bild dazu, etwa eine Tasse für den Kaffee.
  4. Hängen Sie den Plan dorthin, wo Sie beide oft vorbeikommen, zum Beispiel an den Kühlschrank.

Der Plan ist vor allem eine Hilfe für Sie. Wenn ein Tag anders läuft, ist das kein Problem.

Die Beschäftigungskiste

Eine Beschäftigungskiste ist eine Kiste oder ein Korb mit Dingen, die zur Lebensgeschichte passen und zum Anfassen, Sortieren und Erzählen einladen. Sie steht griffbereit, etwa neben dem Sessel, und ist in Momenten hilfreich, in denen Sie gerade keine Idee haben oder selbst etwas erledigen müssen.

Was hineinpasst

  • Zum Sortieren: Knöpfe, Wäscheklammern, große Schrauben und Muttern, Spielkarten nach Farben
  • Zum Fühlen: Stoffreste, Wollknäuel, ein weiches Tuch, ein glatter Stein
  • Zum Erzählen: Fotos, Postkarten, eine alte Ansichtskarte vom Urlaubsort, ein Schulzeugnis
  • Aus dem Beruf: ein Zollstock, ein Notizblock, Stoffmuster, ein Kochlöffel
  • Zum Tun: Handtücher zum Falten, ein Paar Socken zum Zusammenlegen, ein Staubtuch

Worauf Sie achten sollten

  • Keine kleinen Teile, die verschluckt werden können, wenn das ein Risiko ist.
  • Lieber wenige Dinge als eine volle Kiste. Tauschen Sie den Inhalt alle paar Wochen aus.
  • Legen Sie Dinge hinein, die Ihr Angehöriger mag, nicht solche, die Sie für sinnvoll halten.
  • Holen Sie die Kiste gemeinsam hervor und nehmen Sie selbst etwas in die Hand. „Schau mal, was ich gefunden habe“ ist ein guter Anfang.

Weitere Ideen für den Alltag

  • Musik: Schlager, Volkslieder oder Kirchenlieder von früher. Viele Menschen singen ganze Strophen mit.
  • Sprichwörter: „Morgenstund hat …“ wird oft spontan ergänzt. Beispiele finden Sie im Beitrag Sprichwörter ergänzen für Senioren.
  • Tiere und Natur: Vögel am Futterhaus beobachten, ein Besuch bei Nachbars Hund, Kastanien sammeln.
  • Vorlesen: Kurze Geschichten, Gedichte oder die Lokalzeitung.

Ideen zum Ausdrucken

Für ruhige Stunden am Tisch finden Sie kostenlose Arbeitsblätter in großer Schrift. Bei Demenz eignen sich oft die leichteren Blätter, gern gemeinsam bearbeitet:

  • „Buchstabensalat in großer Schrift: Im Garten / In der Küche / Im Wald“
  • „Sprichwörter ergänzen“
  • „Was passt nicht dazu?“
  • „Zahlen verbinden von 1 bis 25“
  • „Finden Sie die 5 Unterschiede“

Dazu Ideen zum Selbermachen:

  • Fotokarte mit Erinnerungsfragen: ein Familienfoto groß ausdrucken, darunter eine offene Frage wie „Was war das für ein Tag?“.
  • Wochenkalender-Blatt: der Plan von oben, jede Woche neu ausgefüllt.
  • Rezeptkarte zum Ausfüllen: das alte Lieblingsrezept gemeinsam aufschreiben und danach nachkochen.

Unsere App SilverMind

Manche Menschen in einem frühen Stadium greifen noch gern zum Tablet, oft gemeinsam mit Angehörigen. Dafür entwickeln wir SilverMind, eine App für iPhone und iPad, die auch im Browser unter silvermind.app/play läuft. Sie hat 28 ruhige Übungen auf Deutsch, große Schrift (Atkinson Hyperlegible), große Tasten, keine Werbung, und viele Übungen haben kein Zeitlimit. Jeden Tag stehen drei kurze Übungen bereit, etwa sechs Minuten. Für gemeinsame Momente passen etwa Erinnerungsreise mit Fragen zu Liedern und Alltag der 1950er bis 1990er Jahre, Redensart ergänzen und Pfad verbinden. SilverMind Premium schaltet die Übungen frei und beginnt mit 7 Tagen kostenlos. Die App ist eine Beschäftigung, keine Therapie.

Und Sie selbst?

Die Betreuung zu Hause kostet Kraft. Planen Sie feste Pausen für sich ein, nehmen Sie Angebote wie Tagespflege oder Betreuungsgruppen in Anspruch und holen Sie sich Rat. Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berät Angehörige, und der Wegweiser Demenz nennt Angebote in Ihrer Region. Wenn sich Verhalten, Schlaf oder Stimmung deutlich verändern, sprechen Sie mit der Hausarztpraxis. Wie Sie Veränderungen früh einordnen, lesen Sie in Wenn Eltern vergesslich werden.

Fazit

Bei Demenz zu Hause hilft weniger Abwechslung als Verlässlichkeit: ein ähnlicher Ablauf jeden Tag, ein einfacher Wochenplan und eine Kiste mit vertrauten Dingen. So entstehen ruhige Momente mit Freude und Nähe, und Sie müssen nicht jeden Tag neu erfinden.

Quellen

Häufige Fragen

Wie kann man Menschen mit Demenz zu Hause beschäftigen?

Am besten mit vertrauten, einfachen Tätigkeiten aus dem früheren Leben: Wäsche falten, Gemüse putzen, Musik hören, Fotos anschauen, Blumen gießen oder kurze Spaziergänge. Ein fester Tagesrhythmus und eine Kiste mit Lieblingsdingen helfen, ohne viel Vorbereitung etwas Passendes anzubieten.

Was ist eine Beschäftigungskiste bei Demenz?

Eine Kiste oder ein Korb mit Gegenständen, die zur Lebensgeschichte passen und zum Anfassen, Sortieren oder Erzählen einladen: etwa Wolle, Knöpfe, Werkzeug, Stoffe, Fotos oder Rezeptkarten. Sie steht griffbereit und kann jederzeit hervorgeholt werden.

Warum ist ein fester Tagesablauf bei Demenz wichtig?

Wiederkehrende Abläufe geben Orientierung und Sicherheit, weil weniger erinnert und entschieden werden muss. Viele Angehörige berichten, dass der Tag ruhiger verläuft, wenn Mahlzeiten, Ruhezeiten und Aktivitäten ungefähr zur gleichen Zeit stattfinden.

Was tun bei Unruhe am Nachmittag?

Viele Menschen mit Demenz werden am späten Nachmittag unruhiger. Hilfreich können ein Spaziergang am frühen Nachmittag, gedämpftes Licht, ruhige Musik und eine einfache Tätigkeit mit den Händen sein. Bei starker Unruhe sprechen Sie bitte mit der Hausarztpraxis.

Wo bekommen pflegende Angehörige Unterstützung?

Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berät Angehörige. Pflegestützpunkte, regionale Alzheimer-Gesellschaften und Selbsthilfegruppen helfen ebenfalls weiter. Der Wegweiser Demenz nennt Angebote in Ihrer Nähe.

S

SilverMind-Team

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Das SilverMind-Team schreibt praxisnahe, auf Fakten gestützte Informationen zur geistigen Gesundheit für ältere Menschen und ihre Angehörigen.

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