Gute Beschäftigung für Senioren mit Vergesslichkeit ist einfach, vertraut und ohne Prüfungsgefühl: gemeinsam kochen, Wäsche falten, alte Lieder singen, Fotos anschauen, Rätsel in großer Schrift lösen oder spazieren gehen. Entscheidend ist, dass Ihre Mutter oder Ihr Vater die Aufgabe gut schafft, mitbestimmen darf und dabei Freude, Ruhe und das Gefühl erlebt, gebraucht zu werden.
Dieser Beitrag richtet sich an erwachsene Kinder und Angehörige. Er zeigt, welche Aktivitäten sich bewährt haben, wie Sie sie vorschlagen, ohne zu bevormunden, und was Sie tun können, wenn etwas nicht klappt. Allgemeine Ideen für den Alltag finden Sie in unserem Beitrag Beschäftigung für Senioren zu Hause.
Was bei Vergesslichkeit eine gute Beschäftigung ausmacht
Wenn das Gedächtnis nachlässt, verändern sich vor allem zwei Dinge: Neues zu lernen wird mühsamer, und Situationen, in denen man etwas nicht weiß, werden unangenehmer. Daraus ergeben sich einige Grundsätze:
- Vertrautes vor Neuem. Tätigkeiten, die Ihre Eltern ein Leben lang gemacht haben, gelingen oft noch gut. Ein neues Brettspiel mit zehn Regeln dagegen kann überfordern.
- Tun statt abfragen. Fragen wie „Weißt du noch, wie die Nachbarin hieß?“ fühlen sich schnell wie ein Test an. Ein gemeinsames Tun lädt dagegen zum Mitmachen ein.
- Kurze Einheiten. Lieber 20 Minuten mit Freude als eine Stunde mit wachsender Anspannung.
- Gebraucht werden. Viele ältere Menschen möchten nicht unterhalten werden, sondern etwas Nützliches beitragen.
- Mitbestimmen lassen. Bieten Sie zwei Möglichkeiten zur Auswahl an, statt eine Entscheidung vorzugeben.
- Hilfen sichtbar machen. Ein Rezept auf einer großen Karte oder eine Einkaufsliste auf dem Tisch nehmen Druck heraus.
Alltagsaufgaben, die Sinn geben
Die besten Aktivitäten stehen oft gar nicht in einem Ratgeber, sondern gehören ohnehin zum Haushalt.
In der Küche
Kartoffeln schälen, Gemüse schnippeln, einen Kuchenteig rühren oder den Tisch decken: Kochen verbindet Geruch, Geschmack und Erinnerungen. Teilen Sie das Rezept in kleine Schritte auf und übernehmen Sie selbst die schwierigen Teile. Das Lieblingsrezept von früher eignet sich besonders gut, weil die Handgriffe vertraut sind.
Wäsche und Ordnung
Handtücher falten, Socken sortieren, Knöpfe nach Farben ordnen oder die Besteckschublade aufräumen. Solche Aufgaben sind ruhig, haben ein sichtbares Ergebnis und geben das Gefühl, etwas geschafft zu haben.
Garten und Balkon
Kräuter gießen, verwelkte Blüten abzupfen, Blumenzwiebeln setzen oder Laub fegen. Wer keinen Garten hat, kann mit ein paar Töpfen auf der Fensterbank beginnen. Auch das Füttern der Vögel im Winter ist eine schöne, tägliche Aufgabe.
Gespräch und Erinnerungen
Erinnerungen an früher sind oft besser erhalten als das, was gestern war. Das ist eine Chance für gute Gespräche.
- Fotoalben durchblättern und erzählen lassen, ohne Namen und Jahreszahlen abzufragen. „Wie war das damals auf der Hochzeit?“ ist offener als „Wer ist das?“.
- Gegenstände von früher wie ein altes Werkzeug, eine Kaffeemühle oder ein Schulheft regen zum Erzählen an.
- Lebensgeschichte aufschreiben: Sie stellen Fragen, Ihre Mutter erzählt, Sie schreiben mit. So entsteht nebenbei ein Familienbuch.
- Sprichwörter und Redensarten: Viele sind fest verankert. Unser Beitrag Sprichwörter ergänzen für Senioren hat viele Beispiele zum Vorlesen.
Musik, Bewegung und Natur
Musik erreicht viele Menschen auch dann noch, wenn anderes schwerer fällt. Hören Sie Schlager, Volkslieder oder die Platten von früher, singen Sie mit oder klatschen Sie den Takt. Eine Liste mit den Lieblingsliedern Ihrer Eltern ist schnell angelegt.
Bewegung tut dem ganzen Körper gut und hebt oft die Stimmung. Ein täglicher Spaziergang auf einer bekannten Runde, Sitzgymnastik zu Musik oder ein Ballspiel im Sitzen sind einfache Möglichkeiten. Draußen gibt es außerdem immer etwas zu entdecken: Was blüht gerade? Welcher Vogel sitzt dort?
Rätsel und Spiele ohne Prüfungsgefühl
Rätsel und Spiele können Spaß machen, solange sie nicht zur Prüfung werden. Achten Sie auf diese Punkte:
- Große Schrift und klare Gestaltung. Kleine Kreuzworträtsel in der Zeitung frustrieren oft schon wegen der Augen. Unsere Wortsuchrätsel in großer Schrift sind dafür gemacht.
- Kein Zeitdruck, keine Punkte. Es geht um das gemeinsame Tun.
- Leicht beginnen. Wenn die erste Aufgabe gelingt, steigt die Lust auf die zweite.
- Gemeinsam spielen. Kartenspiele wie Mau-Mau oder Rommé mit offenen Karten, Paare finden mit Fotokarten oder ein Quiz zu Liedern von früher.
Weitere Anregungen finden Sie in unserem Beitrag Gedächtnisspiele für Senioren.
So schlagen Sie eine Beschäftigung vor
Wie Sie fragen, entscheidet oft darüber, ob Ihre Eltern mitmachen. Hilfreich sind Sätze wie:
- „Kannst du mir beim Teig helfen? Bei dir wird er immer besser.“
- „Ich habe hier ein Rätsel, das ich allein nicht schaffe.“
- „Magst du lieber einen Spaziergang machen oder Fotos anschauen?“
Weniger gut sind Sätze, die auf ein Defizit hinweisen, etwa „Das ist gut für dein Gedächtnis“. Sie machen aus der Beschäftigung eine Übung, und kaum jemand möchte trainiert werden.
Wenn etwas nicht klappt
Manchmal kommt die Idee nicht an. Das ist normal und kein Scheitern.
- Lehnt Ihr Vater ab, versuchen Sie es an einem anderen Tag oder zu einer anderen Uhrzeit. Viele Menschen sind am Vormittag offener.
- Wird es zu schwer, vereinfachen Sie sofort: weniger Schritte, weniger Auswahl, mehr Hilfe.
- Kommt Ärger auf, wechseln Sie das Thema und machen Sie etwas Angenehmes, etwa einen Kaffee.
- Sie selbst sind ungeduldig? Das geht vielen Angehörigen so. Eine kurze Pause hilft beiden.
Ideen zum Ausdrucken
Auf Papier zu arbeiten ist für viele ältere Menschen vertraut und angenehm. Unter unseren kostenlosen Arbeitsblättern finden Sie zum Beispiel:
- „Buchstabensalat in großer Schrift: Im Garten / In der Küche / Im Wald“
- „Buchstaben-Wirrwarr“
- „Sprichwörter ergänzen“
- „Was passt nicht dazu?“
- „Rechnen im Alltag: beim Einkaufen“
- „Finden Sie die 5 Unterschiede“
Dazu ein paar Ideen, die Sie selbst gestalten können:
- Fotokarte mit Erinnerungsfragen: Ein altes Foto groß ausdrucken, darunter zwei offene Fragen wie „Was war an diesem Tag besonders?“.
- Wochenkalender-Blatt: Ein Blatt pro Woche mit großen Feldern für Termine, Besuche und Telefonate, gut sichtbar an den Kühlschrank.
- Rezeptkarte zum Ausfüllen: Ihre Mutter diktiert ihr bestes Rezept, Sie schreiben es auf. Die Karte kommt danach in eine Familiensammlung.
Unsere App SilverMind
Wenn Ihre Eltern gern zum Tablet greifen, kann eine ruhige App eine Ergänzung sein. Wir entwickeln dafür SilverMind, eine App für iPhone und iPad, die auch im Browser unter silvermind.app/play läuft. Sie bietet 28 ruhige Übungen auf Deutsch, mit großer Schrift (Atkinson Hyperlegible), großen Tasten und ohne Werbung, viele davon ohne Zeitlimit. Jeden Tag gibt es drei kurze Übungen, zusammen etwa sechs Minuten. Gut zu dieser Zielgruppe passen zum Beispiel Erinnerungsreise mit Fragen zum Alltag der 1950er bis 1990er Jahre, Redensart ergänzen, Wörtersuche und Was passt nicht?. SilverMind Premium schaltet die Übungen frei und beginnt mit 7 Tagen kostenlos. Ehrlich gesagt: Die App ist eine angenehme Beschäftigung, keine Behandlung.
Wann Sie mit dem Hausarzt sprechen sollten
Etwas Vergesslichkeit gehört zum Älterwerden. Es gibt keinen Nachweis, dass eine bestimmte Beschäftigung eine Demenz aufhält. Wenn die Vergesslichkeit über Wochen zunimmt, vertraute Abläufe misslingen oder sich die Stimmung deutlich verändert, ist ein Termin in der Hausarztpraxis sinnvoll. Viele Ursachen lassen sich gut behandeln. Wie Sie Veränderungen einordnen, lesen Sie in Vergesslichkeit im Alter: Was ist normal?, wie Sie das Gespräch suchen, in Wenn Eltern vergesslich werden.
Fazit
Bei Vergesslichkeit zählt nicht, wie anspruchsvoll eine Beschäftigung ist, sondern ob sie gelingt und gut tut. Vertraute Aufgaben im Haushalt, Musik, Erinnerungen und Rätsel ohne Druck geben dem Tag Struktur und Sinn. Machen Sie mit, lassen Sie mitbestimmen und sehen Sie jedes gute gemeinsame Gespräch als Erfolg.
Quellen
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Umgang und Kommunikation
- gesund.bund.de: Alzheimer-Demenz, Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit
- Wegweiser Demenz, Informationsportal des Bundesfamilienministeriums


